Oswald Spengler

Autoritäre Anti-Aufklärung
und der Mythos vom kulturellen Untergang des Abendlandes

von Lars Rensmann

Oswald Spengler war einer der markantesten Vertreter der „Konservativen Revolution“. Dieser Aufsatz fragt kritisch nach dem Gehalt und der Problematik seines Denkens aus der Perspektive seiner Wirkung und gegenwärtigen Bedeutung.
Mit seinem Hauptwerk „Der Untergang des Abendlandes“ und seinen politischen Schriften hatte Spengler prägenden Einfluss auf die intellektuellen kulturpessimistischen und anti-demokratischen Diskurse und Ideen der Weimarer Republik. Er beförderte die Sehnsucht nach einem neuen autoritären Zeitalter – einem neuen Cäsarentum und preußisch-autoritären Nationalismus. Spenglers Werk versucht sich an einer allumfassenden, zyklischen Geschichtsphilosophie auf kulturmorphologischer Grundlage, welche das organische Leben und Absterben von Kulturen zu individuellen Lebensprozessen analogisiert.
Seinem Werk sprach Spengler selbst prophetische Kraft zu. Sowohl die fatalistisch-apokalyptische Grundierung der These vom – nach Spengler unvermeidlichen – Untergang des Abendlandes sowie zudem vor allem die mythische Vergötzung homogener, hermetisch-essentialistisch voneinander abgegrenzter und sich fremder nationaler Kulturseelen als überindividuelle Subjekte geschichtlicher Entwicklungen fanden breite Resonanz in der frühen Weimarer Republik, aber auch über die deutsche Gesellschaft hinaus.
Theodor W. Adorno kritisierte triftig Spenglers anti-aufklärerische Verklärung der Geschichte zur Natur, die von kosmischen Seelentümern bestimmt sei, wobei Spengler die „Philosophie zur Astrologie“ erniedrige, um schließlich einen neuen autoritären Cäsarismus nicht nur zu prophezeien, sondern auch zu ersehnen. Wie bei vielen Denkern der „Konservativen Revolution“ fluktuierte Spenglers Rezeption, vom Höhepunkt der Popularität nach dem Erscheinen des ersten Bandes des „Untergangs“ 1918 bis zur Gegenwart. Derzeit zeigen sich Konturen einer relativen Spengler-Renaissance im öffentlichen Raum, gestützt von intellektuellen Milieus sowie vom Zeitgeist einer wiedererstarkten anti-liberalen „Neuen Rechten“ und einer internationalen autoritär-nationalistischen Revolte. .

1. Biografie

Historischer Kontext

Der 1880 geborene Spengler gilt als eine der markantesten Stimmen der so genannten „Konservativen Revolution“ und als einer der anti-demokratischen und anti-liberalen Vordenker eines modernen autoritären Zeitalters in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Aufgewachsen als Sohn eines Postbeamten ließ sich Spengler nach mathematisch-naturwissenschaftlichem und philosophischem Studium in Halle, Berlin und München sowie einer Dissertation zum Thema „Der metaphysische Grundgedanke der Heraklitischen Philosophie“ und sechs Jahren im Schuldienst in verschiedenen deutschen Städten als Schriftsteller und Privatgelehrter in München nieder. (1)

Spengler war von elitärem und autoritärem Denken geprägt. Er brachte im Einklang mit vielen seiner Zeitgenossen – sowohl seine Verachtung der Demokratie und Massengesellschaft zum Ausdruck, als auch, seit 1911, seine „Abneigung gegenüber der als schwächlich betrachteten Politik des Wilhelminischen Deutschland.“ (2) Für die zeitgenössische (Münchner) Künstler- und Intellektuellenszene mit ihrem vulgären, an die Massen gerichteten Antisemitismus hatte Spengler ebenfalls nicht viel übrig.

Der Erfolg des ersten Bandes des „Unterganges des Abendlandes“ (1918) und seine politischen Schriften lösten etliche Kontroversen über Spengler aus, machten ihn aber auch zu einer der gewichtigsten nationalistischen intellektuellen und politischen Stimmen in der und gegen die Weimarer Republik.

In den 1920er Jahren versuchte Spengler, der weder die Kriegsniederlage noch die Demokratie anerkannte, auf verschiedenen Wegen, Einfluss auf die Politik zu nehmen und eine Diktatur herbeizuführen. Spengler fand hierbei zahlreiche bedeutende Unterstützer im deutschnationalen und nationalliberalen Spektrum. (3) Dass Spengler von einer totalitären Lenkung der Presse träumte, die einen cäsaristischen Putsch flankieren sollte, findet sich in Ansätzen bereits in seinem Hauptwerk, wie Paul Hoser aufzeigt. In der Frühphase der Weimarer Republik versuchte Spengler dann, solche pressepolitischen Machtpläne selbst mit Intrigen auch in die Tat umzusetzen, doch nur „während der unstabilen Zeit, von 1920 – 1923, sah es so aus, als könne er wirklich eine gewisse politische Bedeutung erlangen.“ (4)

Das Werben der Nationalsozialisten während der Weimarer Republik und in der Frühphase des NS-Regimes, propagandistische Führungsrollen anzunehmen, beschied der „konservative Revolutionär“ Spengler hingegen negativ – obwohl er zu Nationalsozialisten wie Georg Strasser seit den 1920er Jahren ein persönliches Verhältnis pflegte.

In den drei Jahren der nationalsozialistischen Diktatur bis zu seinem Tod im Jahr 1936 distanzierte sich Spengler zunehmend vom Regime, das er in einem zweiten Band seiner „Jahre der Entscheidung“ in die Nähe des von ihm verhassten Bolschewismus rücken wollte.

Philosophischer Kontext

Spenglers intellektueller Werdegang ist, laut Spengler-Forscher Domenico Conte, neben essentialistischen völkerkundlichen Grundannahmen, Goethes Morphologie und der zeitgenössischen Lebensphilosophie (insbesondere mit Nietzsche als Vorbild) von der Spätphase des Historismus geprägt – wofür auch Martin Heidegger Spengler würdigte. (5) Spenglers geschichtsphilosophisches Denken ist zudem stark beeinflusst von Hegel, ohne Hegels Rationalismus und Idealismus auch nur ansatzweise zu teilen. Im Kontrast zu Hegel verabschiedete sich Spengler von rationalen Ideen der Vernunft und Wahrheit, die in Tatsachen erscheinen, und setzt dem anti-aufklärerisch ein quasi-organisches, mythisches, schicksalhaftes Seelenleben der Kulturen, das Tatsachen hervorbringt, und (Kultur-)Relativismus entgegen. Der Philosoph Herbert Schnädelbach nannte Spenglers Philosophie deshalb pointiert eine „Metaphysik des Irrationalen“. (6)

Im Besonderen ist Spenglers Werk und politisches Denken im Kontext der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts in Deutschland zeit- und ideengeschichtlich zu verorten. Zu diesem Kontext zählen die kulturpessimistischen, anti-liberalen und autoritär-nationalistischen geistigen Strömungen jener Zeit, von denen Spenglers Werk zehrte und die er selbst mitprägte. Obschon Spengler darauf insistierte, in Zeiträumen von Jahrhunderten zu denken und seine Prophezeiungen dergestalt zu begründen, zählen zum Kontext auch die massiven, teils dramatischen und gewaltförmigen Umbrüche und gesellschaftlichen Transformationen eines durch Krieg, Nationalismus, Preußentum und schließlich Kriegsniederlage, Revolution, prekäre Demokratisierung und Putschversuche gezeichneten politisch-kulturellen Umfeldes.

2. Werk und Thesen

Metaphysik, Schicksal und Untergang von Kulturen bei Spengler

Das kultur- und geschichtsphilosophische Hauptwerk Spenglers, und zugleich seine zentrale geistesgeschichtliche Hinterlassenschaft, ist zweifelsohne sein zweibändiges Opus „Der Untergang des Abendlandes“, dessen Titel rasch zum „politischen Schlagwort“ avancierte. (7) An diesem Werk arbeitete Spengler über zehn Jahre – lange vor Beginn des Ersten Weltkriegs bis zur Veröffentlichung des ersten Bandes zur Zeit der Zäsur, die das Ende des Weltkrieges und der deutschen Monarchie markierte (1918), und des zweiten Bandes in der Frühphase der Weimarer Republik (1922).

Spengler entwickelt in beiden Bänden unter Einbeziehung einer Vielzahl sehr heterogener Quellen und Referenzen eine hochgradig spekulative und zyklische Geschichtsphilosophie, welche die weltgeschichtlichen Ereignisse und Transformationen seiner Zeit in einer kulturhistorischen, lebensphilosophischen und insbesondere kulturmorphologischen Langzeitperspektive – namentlich der „Formenwelt“ von „Jahrtausenden“ – sowie prophetisch als „Philosophie der Zukunft“ zu deuten trachtet. (8)

Spenglers Morphologie kosmischer kultureller Seelentümer verdinglicht und hypostasiert Kulturen als den Menschen übergeordnete, überindividuelle Subjekte der Menschheitsgeschichte, auf welche Menschen als Individuen kaum Einfluss nehmen können.

Spenglers Kulturmorphologie homogenisiert, entpluralisiert und entindividualisiert Kultur indes nicht nur. Die Entwicklung von Kultur wird zudem konstruiert in Analogie zur individuellen menschlichen Entwicklung, wobei eine Kultur in ihrem Alter quasi unvermeidlich ihrer Sinnentleerung und ihrem Niedergang entgegen gehe. Jeder Kultur wird in etwa eine Lebensdauer von tausend Jahren zugedichtet. Dabei durchlaufe jede Kultur „die Altersstufen des einzelnen Menschen.“ (9)

In dieser morphologischen Sicht, die das quasi-organische Leben und Absterben von Kulturen zu individuellen Lebensprozessen analogisiert, konstruiert Spengler acht voneinander hermetisch abgetrennte, essentialistisch differente und sich fremde Kulturen und Kulturseelen. Sie erscheinen als überindividuelle Subjekte geschichtlicher Entwicklungen, wie Lebewesen mit ihnen eigentlichen Besonderheiten und charakteristischen Merkmalen, welche die bestimmten Kulturen zugehörigen Menschen gemeinschaftlich prägen. In Spenglers biologistischer Kulturmythologie erscheinen Kulturen so als Organismen. Er bedient sich dabei insbesondere einer so genannten „Physiognomik“, die vom Äußeren auf die Eigenschaften einer Kultur und ihres Seelenlebens zielt. (10)

Kulturen werden in Spenglers Geschichtsschau als „Morphologie“ der Geschichte geradezu „real-naturalistisch“ verstanden, d. h. als quasi-biologische Organisationen begriffen, die über lange historische Zeiträume natürlichen „Wesensgesetzen von Wachstum, Aufstieg, Abstieg, Verwelkung, Erstarren und Untergang“ unterlägen. (11) Das dabei bemühte Geschichtsbild wendet sich als zyklisches, demzufolge immer wieder Kulturen entstehen und vergehen, antagonistisch gegen eine lineare Auffassung von Menschheitsgeschichte, insbesondere als Fortschrittsgeschichte. Die dabei von Spengler beschriebenen respektive konstruierten Hochkulturen seien zwar gleichwertig, aber nicht miteinander verbunden, weshalb in Spenglers kulturrelativistischen Geschichtsspekulationen auch insgesamt epistemologisch eine Ablehnung der Idee einer Menschheitsgeschichte enthalten ist.

Die kulturellen Gegensatz- und Fremdheitsbestimmungen Spenglers schließen, wie indiziert, Austausch, Diffusion und Befruchtung von Kulturen kategorisch aus.

Auf der Grundlage solcher Art essentialistisch konstruierter und objektifizierter Kulturtopoi (beziehungsweise Klischees über Kulturräume, die gängigen kulturellen oder nationalen Klischees und den teils abstrusen Thesen von ‚Völkerkundlern’ seiner Zeit entlehnt sind) möchte Spengler mit seinem Werk nicht weniger als eine metaphysische, globalgeschichtliche Prophezeiung entwickeln, welche die Geschichte der Kultur(en) „physiognomisch“ erfasst und ihre weitere Entwicklung prophetisch vorauszusehen in der Lage ist:

Die systematische Art der Weltbetrachtung hat im Abendlande während des vorigen Jahrhunderts ihren Gipfel erreicht und überschritten. Die physiognomische hat ihre große Zeit noch vor sich.“ (12)

Der Einfluss und die Bewunderung Hegels und der Versuch, Hegel nachzueifern, sind dabei kaum zu übersehen, gleichzeitig wird aber eine implizit scharfe Abgrenzung gegenüber dessen weltgeschichtlichem Vernunftsidealismus deutlich. Denn Spenglers Lebensphilosophie sieht nicht die Vernunft als waltende Kraft in der Geschichte, sondern „kosmische Flutungen“ des Daseins, charakterisiert von ständigem Werden und Vergehen und beflügelt vom Lebenswillen nach Dasein und Herrschaft:

der blinde, kosmische, sehnsüchtige Drang nach Geltung und Macht.“ (13)

Für Spengler gilt Geschichte insbesondere als „Schicksal von Daseinsströmen in Gestalt von Mann und Weib, Geschlecht, Volk, Stand, Staat, die sich im Wellenschlag der großen Tatsachen verteidigen und gegenseitig überwältigen wollen.“ (14) Darin fließen in erheblichem Maße sozialdarwinistische Ideen ein, wie etwa vom Krieg als „Urpolitik alles Lebendigen“. (15) In Spenglers überindividueller, unausweichlicher Überwältigungsprosa wird dergestalt eine spezifische, für seine Zeit nicht untypische Semantik schicksalhafter, metaphysischer Existenzkämpfe von Völkern bedient, die in eine umfassende Geschichtsphilosophie überführt wird.

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Der Untergang des Abendlandes

Den „Untergang des Abendlandes“ sieht Spengler hierbei als schleichenden „natürlichen“ Prozess, der sich wie schon beim Untergang des römischen Reiches über Jahrhunderte erstreckt und nicht als einzelnes historisches Ereignis zu verstehen sei. Auf das so genannte Zeitalter der kämpfenden Staaten folgt Spenglers Konstruktion zufolge „eine im dämonischen Sinn geschichtslose Zeit“ einer statischen, verfallenen Kultur.

Spengler konstruiert und reproduziert hierbei einen einflussreichen Gegensatz von Kultur und Zivilisation. Die „Zivilisation“ konstituiert für Spengler die letzte Phase einer Kultur, in der sie erstarrt und schließlich abstirbt:

Ist das Ziel erreicht und die Idee, die ganze Fülle innerer Möglichkeiten vollendet und nach außen hin verwirklicht, so erstarrt die Kultur plötzlich, sie stirbt ab, ihr Blut gerinnt, ihre Kräfte brechen – sie wird zur Zivilisation. Das ist es, was wir bei den Worten Ägyptizismus, Byzantinismus, Mandarinentum fühlen und verstehen.“ (16)

Während eine Kultur am Beginn ihres Entstehens „aus dem urseelenhaften Zustande ewig-kindlichen Menschentums erwacht“ und „erblüht“ (17), erscheint dagegen die Zivilisation bei Spengler „müde, verdrossen und kalt“. (18) Sie sei geprägt vom Ende von Moral und Kunst, dem Verlust von Religion und einem grassierenden mechanischen „Materialismus“, mitsamt des Triumphes bewusstloser Unterhaltungsindustrien und des Sports über hochkulturelles Geistesleben. (19)

Verkörpert werde die Zivilisation durch die Dominanz der anorganischen Groß- und Weltstadt, gekennzeichnet durch „grauenvolles Elend, eine Verwilderung aller Lebensgewohnheiten“ (20), in der atomisierte Individuen oder „Weltstadtmenschen“ geradezu blind vor sich hinvegetieren. Charakteristisch sind zudem Zivilisationskriege und „Imperialismus“ als ein „notwendiges Ergebnis jeder Zivilisation“. (21) Am Ende kulminiere auch der Prozess des Unterganges des Abendlandes dergestalt in der Entstehung eines nicht mehr entwicklungsfähigen, greisenhaften Massentypus, dem „Typen des Fellachen“ – das „primitive Blut“ einer Bevölkerung, die ihres „kulturfähigen Menschentums“ und ihrer „starken und zukunftreichen Elemente“ beraubt ist.“ (22)

Das Fellachentum wird von Spengler näher bestimmt, so Theodor W. Adorno, als „Enteignung des Bewußtseins“, nicht zuletzt durch die „zentralisierten Mittel der öffentlichen Kommunikation“, die Spengler im „Zeichen der Geldmacht“ sieht, die am Ende auch absterbe. (23) Komplementär zu Spenglers Ablehnung der bürgerlichen Revolution und ihrer Ideale, die er als bloßes Ventil für die Herrschaft des Geldes sieht, proklamiert Spengler den notwendigen Übergang zum diktatorischen Cäsarismus in der Spätphase der Zivilisation als unausweichlichen Prozess.

Obschon Spengler später reklamierte, er hätte im Titel eher von „Vollendung“ als von „Untergang“ des Abendlandes mit seiner „Faustischen Seele“ sprechen sollen, reproduziert die Arbeit selbst ein apokalyptisches Bild einer Geschichte, die unausweichlich ins Verhängnis führt.

Die Apologie eines notwendig kommenden Cäsarismus in der Spätphase der Zivilisation wird durch seine politischen Schriften bestärkt, in denen sich Spengler u. a. einen nationalistischen Diktator wie Mussolini wünscht.

Der Untergangsdenker und Kulturpessimist Spengler hatte dabei den Sieg im Ersten Weltkrieg erwartet, da das deutsche Volk „das unverbrauchteste der weißen Rasse“ sei. (24) In den explizit politischen Schriften, die vor dem Hintergrund der großen Wirkungsmächtigkeit des „Untergangs“ besonders relevant wurden, profilierte sich Spengler weiter nationalistisch gegen den republikanischen, pluralistischen, liberalen und demokratischen Westen, der für Konservative Revolutionäre wie Spengler Sinnbild war für Kriegsniederlage und deutsche ‚Unterjochung’ (während der kulturellen Attraktivität des Ostens die bolschewistische Machtübernahme entgegenstand). (25)

So wie er die Weimarer Republik verachtete, so verachtete er auch die Idee eines demokratischen Verfassungsstaates und pluralistischer, liberaler Demokratie insgesamt. Dagegen proklamierte Spengler die Notwendigkeit von Autoritarismus und eines anti-marxistischen „nationalen Sozialismus“. Volker Weiß sieht Spengler auch deshalb als relevanten „Theoretiker des deutschen Nationalismus“. (26) In Spenglers Schrift „Preußentum und Sozialismus“ plädierte er „für einen auf preußischen Traditionen aufgebauten autoritären Staat mit cäsaristischer Herrschaft“. (27)

3. Spengler als autoritärer Anti-Aufklärer

Defaitist gegen die Humanität

Seinem Werk sprach Spengler selbst unabdingbar prophetische Kraft zu. Sowohl die fatalistisch-apokalyptische Grundierung der These vom Untergang des Abendlandes, vor allem aber die mythische Vergötzung einer schicksalhaften Entwicklung hermetisch abgeschiedener Kulturen, die sich abgrundtief fremd seien und auf welche die Menschen als bloße Objekte kaum Einfluss nehmen können – diese Grundelemente des Spenglerschen geschichtsphilosophischen Entwurfs stechen hervor.

Dabei fetischisiert Spengler ein Kultur- und Volkssubjekt als kollektivierte, geschlossene Einheit mit einer „Seele“ und reproduziert dabei Schicksalsmythen und die Idee von einer „Schicksalsgemeinschaft“, die dem Nationalsozialismus voranging und ihn überlebte. Auch sie steht im Zentrum der Spenglerschen Geschichtsmythologie. Insgesamt ist Spenglers Werk durchdrungen und überwölbt von einer klischeehaften Sprache und dem Pathos einer sich ans blinde „Geheimnis“ verlierenden „Metaphysik“.

Das Erscheinen des „Untergangs“ traf auf das epochale Ende eines Fortschrittsoptimismus, welcher die Periode der Industrialisierung der modernen Gesellschaften auch in Deutschland trotz vorangegangener kulturpessimistischer und zivilisationskritischer Tendenzen bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges dominiert hatte.

Spenglers Werk errang auch deshalb bahnbrechende Popularität: es erschien zu einem Zeitpunkt einer krisengeschüttelten modernen Entwicklung, die im Zeitgeist nach der Kriegsniederlage und Gewalt des Ersten Weltkrieges, insbesondere aber keineswegs ausschließlich in konservativen und deutschnationalen Kreisen auf einen weitverbreiteten Kulturpessimismus stieß.

Spengler brachte mit seinem Begriff vom Untergang des Abendlandes, so Volker Weiß, „die krisenhafte bürgerliche Identität auf eine griffige Formel“ (28) – dies zumal im deutschen Kontext, in dem das Bürgertum noch über weite Strecken des 20. Jahrhunderts politisch prekär geblieben war. Das Ende der Monarchie erneuerte für viele die Drohung respektive „nationale Schreckensvision“ vom Zusammenbruch von deutscher Staatlichkeit und Autorität, die Angst vor der Zerstörung des „Reiches“ gerade bei denjenigen, die in der Schwäche von Liberalismus und Demokratie eine Existenzgefährdung für Volk und Nation witterten. (29)

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Adornos Kritik

Der wohl prägnanteste und genaueste Kritiker der Spenglerschen Geschichtsphilosophie und der magischen Mythologie seines „Untergangs“ war Theodor W. Adorno. Adorno formulierte in zwei Schriften eine scharfe Kritik an Spenglers Werk, des Elementes der „Brutalität in Spenglers Denken“ (30) genauso wie an dessen anti-aufklärerischer zur „Seelenmythologie und zum Naturalismus tendierenden Denkart.“ (31) Zugleich kritisiert Adorno diejenigen, die Spengler lediglich wahlweise „pedantische Kleinlichkeit“ oder „phrasenhaft konformistische[n] Optimismus“ entgegenbrachten und behauptet, Spengler habe trotz aller „offiziellen Philosophen“, die dem „Outsider“ Flachheit vorwarfen, und der Einzelwissenschaftler, die seine „Inkompetenz und Scharlatanerie“ (32) sichteten, „kaum je einen ebenbürtigen Kritiker“ (33) gefunden.

Vielmehr kann Adorno einigen von Spenglers konkreten Voraussagen und Prophezeiungen ein Maß an Wahrheit abgewinnen – insbesondere denjenigen, die sich auf Tendenzen der Demokratie beziehen, aus sich heraus in Diktatur umzuschlagen. (34)

Spengler, so Adorno, erkenne scharfsichtig die „kulturellen Konsequenzen der zunehmenden Zentralisierung der Macht“ sowie die bevorstehende autoritäre „Phase, die er nach Analogie mit der Römischen Kaiserzeit ‚Cäsarismus‘ nennt,“ (35) ja Spengler habe „Goebbels prophezeit“. (36)

Spenglers Prognose, wenn auch entliehen von Robert Michels, der „Wesensveränderung der Partei“, durch die Parteien zu „Gefolgschaften“ würden und die das Parteienwesen in Diktatur umschlagen lasse, sei „im Nationalsozialismus radikal bestätigt worden.“ (37) Spengler sehe zudem „den Zusammenhang von Atomisierung und regressivem Menschentypus, wie er im Zeichen der totalitären Ausbrüche erst ganz sich enthüllt hat.“ (38) Auch darin habe Spengler schließlich unfreiwillig ein Stück weit rechtgehabt, dass er durch seine gedankliche Konstruktion die Möglichkeit abschnitt, die historische Katastrophe der Vernichtung „als geschichtliches Intermezzo zu verharmlosen.“ (39)

Doch noch da, wo seine Beschreibungen und Prophezeiungen, so „realistisch sie auch vorgetragen sein mögen“ und zumindest oberflächlich zuzutreffen scheinen, sehe laut Adorno Spengler, der mit dem Geiste Nietzsches eine Massenverachtung zur Schau stelle, von den Bedingungen ab, „unter denen die Rückbildungen der modernen Massen einzig zustandekommen, und operiert mit Schlagworten wie Wurzellosigkeit, chaotisch-weltstädtischem Wesen, Cäsarismus, neuer Barbarei und ‚zweiter Religiosität’ – einem Deckbild autoritären Unwesens.“ (40) Spengler degradiere die Massen im von Thomas Mann observierten „Defaitismus gegen die Humanität“ zu einem „unabänderlich vom Rhythmus der Kulturseele stets wieder gezeigten Abfallprodukt, um ihre Beherrschung umso besser rechtfertigen zu können.“ (41) Statt einer Kritik des Bestehenden verstärke „Spenglers Pessimismus dessen Vergötzung“ (42), befördere Spengler das Dunkle, das er an die Wand malt (43), erscheinen die Male der Ohnmacht bei Spengler als Sinnbilder des Schicksals. (44)

Schließlich ist es die radikale Unwahrheit Spenglers, resümiert Adorno, dass er die „Naturwüchsigkeit der Geschichte […] mit der Natur selbst verwechselt, dass er sie zum Absoluten macht, dass er […] mit einstimmt in die Verleumdung der Aufklärung.“ Und weiter:

Ob die Menschheit untergeht, wird nicht von kosmischen Seelentümern entschieden. […] Nicht umsonst sympathisiert er trüb mit den angeblich kosmischen Gesetzen, denen das Leben der Menschen gehorche. Er hat die Philosophie zur Astrologie erniedrigt und auf das Grauen, von dem er großartig zeugt, reagiert mit dem Aberglauben, der das Grauen verklärt und verdoppelt.“ (45)

So triftig einige Diagnosen und Prophezeiungen, etwa in Bezug auf die Transformation der Parteien zu autoritären Massenparteien, zum prognostizierten Aufstieg eines neuen Cäsarismus oder zum Wandel der Populärkultur also im geschichtlichen Moment erschienen mögen, so offeriert Spengler im „Untergang des Abendlandes“ unzweideutig einen anti-aufklärerischen und anti-demokratischen Rechtfertigungsdiskurs für eben jenen Untergang menschlicher Gesellschaft und Kulturen, den er prophezeit.

In seiner völligen Absage an Aufklärung, Wahrheit und Vernunft zeigt sich indes nicht nur die rechts-antiliberale, sondern auch die postmoderne Anschlussfähigkeit der Spenglerschen Vernunftskritik: Aufklärung und Vernunft werden bei Spengler nicht in kritischer Selbstreflexion gegen deren Verkürzung und „Untergang“ gerettet und erneuert, sondern selbst mythologisch zertrümmert und in blinden kosmischen, kulturrelativistischen Aberglauben überführt. Spenglers Werk ist so Teil einer „moderne[n] Rebellion gegen die Moderne“. (46)

4. Spenglers Antisemitismus

Geist, Börse, Fremdheit

Wie bei anderen anti-modernen, nationalistischen und anti-demokratischen Denkern seiner Zeit ist Spenglers Verachtung für Vernunft, Fortschritt, Moderne und weltstädtisches Leben von Antisemitismus durchzogen, und dies trotz der Ablehnung einer vulgären antisemitischen Rassepolitik – ein Umstand, den Anhänger seiner Ideen und vermeintlichen Diagnose- und Prognosequalitäten zumeist ignorieren.

Alexander Bein betonte schon 1965 kritisch, dass Spenglers Buch „sicherlich nicht unwesentlich“ zur „Popularisierung und zur Mythisierung des Judenbildes seiner Zeit“ beigetragen habe, und in dieser Hinsicht in Grad und Ausmaß gar vergleichbar sei mit Heinrich von Treitschkes „Deutscher Geschichte“ vierzig Jahre zuvor. (47)

Durch Spenglers Werk, so Bein, „drangen die zeitgenössischen Stereotypen vom Juden als ‚anerkannte wissenschaftliche Wahrheiten’ in morphologisch-mythischer Überhöhung in Kreise ein, die sich von dem Einfluß der gröberen, propagandistischen Geschichtsklitterungen radikaler Antisemiten fernhielten.“ (48)

In anderen Worten: Spengler half im Kontext der Umbruchszeit nach dem Ersten Weltkrieg und danach, antisemitische Vorstellungen noch weiter intellektuell zu legitimieren, zu verfestigen und hoffähiger zu machen, als sie ohnehin schon gesellschaftlich waren – auch und gerade in den „höheren Kreisen“ und Bildungseliten.

Juden erscheinen bei Spengler in den typischen Konstruktionen eines modernen antisemitischen Weltbildes. Angeblich geschlagen mit einer „Fremdheit“, mit der sie immer dem Leben des „Wirtsvolkes“ (49) gegenüberstünden, trügen Juden ein „zersetzendes Element“. (50) Sie verkörperten einen „vergiftenden Zynismus“ und eine „zynische Intelligenz“ (51), wobei das Judentum auch vernichtend wirke:

Was die abendländische Kultur in ihren Kolonialgebieten durch Reformen eigenen Stils vernichtet hat, ist nicht auszudenken, und ebenso vernichtend wirkt das Judentum, wo es auch eingreift.“ (52)

Das Judentum stellte nach Spengler, so Ulrich Wyrwa, „im Abendland einen Fremdkörper dar, der sich nicht anpassen könne.“ (53) Gerade in seinen personifiziert verdinglichten Angriffen auf jüdisches „Gelddenken“, das auch im „Untergang“ zu finden ist, verdichtet sich Spenglers Antisemitismus. Er ist bei Spengler eingebettet in ein autoritäres, anti-modernes und anti-demokratisches Weltbild und zugleich dessen Bestandteil.

Nicht zufällig sah Spengler „die parlamentarische Demokratie als Plutokratie, als politische Herrschaft des Geldes, und polemisierte gegen den ‚Börsenliberalismus‘.“ (54)

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Distanz zum Nationalsozialismus

Allerdings lehnte Spengler Wyrwa zufolge den „rassebiologischen Antisemitismus“ der völkischen Bewegung ebenso ab wie eine auf Antisemitismus fußende Politik der Verfolgung und Vernichtung. (55) Im „Untergang“ macht sich Spengler über die Idee „rassenkundlicher“ Schädelvermessungen lustig, denn „der Knochenbau ist in der menschlichen Gesellschaft überall und immer wieder derselbe geworden“ (56) und es vertrage sich „der Rasseausdruck eines Menschenkopfes mit jeder überhaupt denkbaren Schädelform.“ (57) Die Unterscheidung zwischen „Arier- und Semitenschädel“ findet Spengler absurd.

Auch erscheint bei Spengler das Judentum nicht wie in der nationalsozialistischen Ideologie als „Gegenrasse“, sondern als eine „fremde Religion“ im Kontext der arabischen Kultur. (58) An der Existenz eines kosmischen, nicht-biologischen „rassehafte[n] Leben[s]“ (59), die sich mit „anderen Mitteln“ feststellen ließe und auf die „geheimnisvolle Kraft des Bodens“ sowie die „nicht meßbaren und deshalb um so bedeutungsvolleren Merkmalen echter Rasse“ (60) verweise – „[e]dle Menschenrassen unterscheiden sich […] in ganz derselben geistigen Weise wie edle Weine“ -, hat Spengler indes keinerlei Zweifel.

In der Schrift „Jahre der Entscheidung“ vom Sommer 1933 bot Spengler eine begeisterte Lobhudelei auf den italienischen Faschismus und auf Mussolini. (61) Doch während der preußisch-nationalistische Sozialist Spengler Mussolini als Verkörperung und Führer eines neuen Cäsarismus sah, das seinem anti-demokratischen, anti-liberalen Denken und Gesellschaftsmodell entsprach, enthielt das Buch Kritik am Nationalsozialismus. Goebbels’ Versuche, Spengler zu einer Mitarbeit zu bewegen, endeten am Jahresende 1933 – nachdem Spengler zuvor einen Ruf an die Universität Leipzig ausgeschlagen hatte und ein Treffen mit Hitler in Bayreuth zu keiner Zusammenarbeit führte, sondern angeblich eine scheinbar auch auf persönlicher Abneigung gründende Distanz verfestigte. (62) Der Einfluss Spenglers auf Ideen der nationalsozialistischen Bewegung und sein politisch-ideologischer Beitrag – als viel beachteter, strikt demokratie- und judenfeindlicher intellektueller Vorreiter der „Konservativen Revolution“ – zur Erosion der Weimarer Republik sind dennoch nicht zu unterschätzen.

Die am Ende praktische Distanz zum NS-Regime macht Spengler als nicht-nationalsozialistischen Vordenker eines autoritären Nationalismus und Faschismus für die „Neue Rechte“ und andere Demokratiefeinde vielleicht besonders interessant. Der Bruch mit den Nationalsozialisten nimmt indes nichts von der Tatsache, dass das Spenglersche Denken von einem tiefen, esoterisch-nationalistischen Hass auf die Vernunft gespeist wird, der sich an zerstörerischen Untergangsphantasien labt und mit einer antisemitischen Ranküne gegen Geld, Geist und konstruierte kulturelle Fremdheit verwandt ist.

5. Rezeption und
politisch-intellektuelle Erbschaft 

Prophetie des Untergangs, Apologie der Unvernunft

Spenglers unmittelbarer politisch-kultureller Einfluss war beträchtlich. Die Rezeption des ersten Bandes des „Unterganges“, der seinen Ruhm begründete, war vielfältig. Sie sprießte in den Universitäten wie in der politischen Öffentlichkeit von deutschnationalen bis hinein in linksliberale und marxistische Kreise, und sie oszillierte zwischen großer Bewunderung und kleinteiliger oder harscher Fachkritik.

Exemplarisch für solche Ambivalenzen war Thomas Mann, der in den „Betrachtungen eines Unpolitischen“ zunächst von Spenglers Werk begeistert war, ihn später aber „Defätist der Humanität“ taufte und sich in seinem Essay „Über die Lehre Spenglers“ von Spenglers Vorstellung von Kulturen als hermetisch geschlossenen Lebewesen scharf abgrenzte. (63) Obwohl, wie Adorno in seinem ersten Essay zu Spengler 1950 in Erinnerung ruft, nach der enormen, breiten Popularität des ersten Bandes des „Unterganges“ schon bei der Veröffentlichung des zweiten Bandes 1922 eine geringere Beachtung zu konstatieren war, (64) blieb Spenglers Wirkungsradius und Nachhall in konservative, kulturpessimistische Kreise groß. Spengler blieb einer der einflussreichsten Denker der Weimarer Republik, welche er radikal ablehnte, und im Besonderen einer der maßgeblichen Vordenker der „Konservativen Revolution“.

Das Interesse der Nationalsozialisten, Spengler vor und nach 1933 für ihre Sache zu gewinnen, künden vom Gewicht Spenglers, der an der Zerstörung der ersten Demokratie in Deutschland seinen intellektuellen Anteil hatte. Gerade mit seinem Kulturpessimismus, der sich seit der Jahrhundertwende bis zum Weltkrieg komplementär zum Fortschrittsoptimismus ausbreitete, traf Spengler einen gesellschaftlichen Nerv, zumal nach der Zäsur des verlorenen Weltkrieges.

Spenglers pseudowissenschaftliche Geschichtsphilosophie wirkte quasi als Fundierung und Artikulation einer weit verbreiteten fortschrittsfeindlichen und resignativ-defaitistischen bis apokalyptischen Grundstimmung – auch bei denjenigen, die sich nur an seinem Titel und seinen groben Thesen orientierten. 

Spenglers Hauptwerk sowie seine politischen Schriften gehörten zur intellektuell-kulturellen Klaviermusik der Feinde der Weimarer Republik. Sie diffundierten auch jenseits der tatsächlichen Lektüre seiner teils eingängigen, teils verquasten Großschrift in das Arsenal dominanter ideologischer Topoi des zeitgenössischen deutschen Nationalismus und seiner Mythen. Darunter sind die stets mobilisierte Angst vom vollständigen Verlust der Macht und Autorität von Staat, Volk und Nation sowie die Bedrohung des Untergang des „Reiches“ und seiner Ersetzung durch die verhasste Demokratie und kulturelle Diffusion (65) – Thesen, die heute an die ethno-nationalistische, identitäre Ideologie vom „großen Bevölkerungsaustausch“ erinnern.

Entgegen Adornos These, dass Spenglers Werk in der „offiziellen Philosophie“ in Deutschland abgelehnt wurde und die „zünftigen Philosophen“ sich schlicht bald an Heidegger hielten (66), war zumindest Spenglers indirekter Einfluss auf maßgebliche zeitgenössische Philosophie beträchtlich. Richard Wolin argumentiert, dass sogar Heideggers Begriff der „Seinsverlassenheit“ im Kern eine Neuformulierung von Spenglers Begriff des „Untergangs“ sei. (67) Neben der Ventilierung autoritären preußischen Denkens, einer in der Weimarer Republik populären Verschränkung von Kulturpessimismus, Kulturrelativismus und Kulturelitismus sowie der Mobilisierung drohender apokalyptischer Untergangsszenarien und -ängste, die wie skizziert in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg besonders weit verbreitet waren, trug Spengler auch dazu bei, dem Begriff des „Abendlandes“ den Status eines „politischen Kampfbegriffs“ im Sinne Carl Schmitts zu verleihen. (68)

Spenglers Einfluss blieb derweil nicht auf Deutschland beschränkt. Nicht nur bewunderte Spengler Mussolini. Der von Spengler zelebrierte faschistische Diktator Mussolini war selbst Spengler-Anhänger und besprach sogar würdigend Spenglers „Jahre der Entscheidung“.

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Rezeption nach 1945

In den 1950ern trugen Autoren wie Armin Baltzer zum Fortleben des Spengler-Kultes bei. Spenglers metaphysisch apostrophierte und kulturell-existenziell hypostasierte Idee des „Untergangs“, den er freilich kulturmorphologisch und fatalistisch auch als „Vollendung“ des Abendlandes versteht, und Spenglers Werk insgesamt stattet Baltzer mit „bleibende[r] Bedeutung für die Gegenwart“ aus. (69) Die kritische Rezeption Adornos, der einige der Prognosen Spenglers ebenfalls durchaus positiv würdigt, blieb die Ausnahme, sie wurde aber verstärkt durch Karl Popper, der sich in seiner Arbeit „Das Elend des Historizismus“ von 1957 neben Marx Spengler vornimmt (und damit wie Adorno Spengler in den intellektuellen Status eines würdigen Gegners versetzt), um seine Kritik an Vorstellungen von unveränderlichen Gesetzmäßigkeiten der Geschichte zu entfalten.

Das von Adorno bereits 1950 verfrüht diagnostizierte Vergessen Spenglers setzte dann mithin in den späten 1960er bis 1980er Jahren ein, in denen Spengler im öffentlichen Raum und in der Wissenschaft kaum mehr eine Rolle spielte.

Der intellektuelle Einfluss des Spenglerschen Denkens und Spenglerscher Motive, die, wie gezeigt, von zutiefst verankerten anti-modernen Reflex und anti-demokratischen sowie anti-liberalen Ressentiments geprägt sind, war somit in der Nachkriegsrezeption erheblichen Schwankungen ausgesetzt. Er scheint aber gerade in jüngerer Zeit wieder an Fahrt aufzunehmen. 100 Jahre nach dem Erscheinen des ersten Bandes des „Untergangs“ erkennt Florian Goldberg im „Deutschlandfunk“, dass Spenglers Motive etlichen Thesen und Topoi sowohl der „Neuen Rechten“, als auch der aktuellen autoritär-nationalistischen Populisten entsprechen.

Spengler ließ keinen Zweifel daran, dass er sich einen autoritären Obrigkeitsstaat wünschte mit deutscher Hegemonie über den Kontinent, während er die demokratische (Weimarer) Republik als illegitimen Staat erachtete und, ähnlich dem Jargon der heutigen „Neuen Rechten“, zur bloßen „Firma“ degradierte. (70) Auch die Betonung kultureller Seelenmythen und de facto homogener ethno-kultureller Identitäten gegenüber aufklärerischem, rationalem Denken, das Spengler ebenso mit Verachtung strafte wie Ideen von Kompromiss, Ausgleich und Verständigung, sowie seine „heroisch-fatalistische Pose“ (71) gegen die Pazifizierung der Welt bilden implizite und teils explizite Anknüpfungspunkte für heutige autoritäre und neu-rechte Ideologie. Spengler schreibt:

Ein Volk ist nur wirklich in Bezug auf andere Völker, und diese Wirklichkeit besteht in natürlichen und unaufhebbaren Gegensätzen, in Angriff und Abwehr, Feindschaft und Krieg.“ (72)

Volker Weiß hat auf das Nachhallen auch von Spenglerschen Motiven in identitärem Denken und der entsprechenden Bewegung hingewiesen, sowie darauf, dass Spengler nicht zufällig Eingang gefunden hat in den Kanon der „Neuen Rechten“. Der neu-rechte Redner Götz Kubitschek schöpfte z. B. aus Spenglers Fundus, inklusive seiner mythischen Geschichtsvorstellung und Idee der kulturellen Schicksalsgemeinschaften, als er im Januar 2015 in Leipzig vor 15.000 Teilnehmern bei einer „Legida“-Demonstration sprach. (73) Dabei bereitete er die „uralten Motive des Nationalismus auf, die Schicksalsgemeinschaft der ‚Nation’ und das handelnde Kollektivsubjekt ‚Volk’“, sowie Spenglers Auffassung vom „Schicksal von Daseinsströmen“. (74)

Die nationale und kulturelle respektive kulturalistische Mythenwelt Spenglers dient konservativen Untergangsszenarien mithin immer noch als Deutungsfolie. Jene Mythenwelt und ihr esoterisches Vokabular präsentiert eine teils kaum vernehmbare, aber dennoch geistesgeschichtlich präsente Hintergrundmusik – auch bei der heutigen Renaissance eines ideologischen „Abendland“-Diskurses, den Spengler im deutschsprachigen Raum des 20. Jahrhunderts mitgeprägt hat. Die Gestalt der Rechten, so Weiß, mag sich heute weiterhin im Wandel befinden; in ihren ideologischen Kernelementen aber hält sie letztlich „unverändert“ (75) dem alten Denken die Treue und vergewissert sich stets neuerlich ihrer konservativ-revolutionären Wurzeln. (76)

Spengler ist dabei eine Quelle unter anderen für gegenwärtige, autoritär-nationalistische und antiemanzipatorische Gegenbewegungen gegen die Moderne, die Teil der politischen Moderne selbst sind. (77) Dies gilt auch für AfD und „Pegida“ in Deutschland. (78) Die Renaissance von Spengler als politisch-ideologische Quelle erscheint sogar massiver bei einigen internationalen Akteuren des neuen Rechtspopulismus. So ist Spengler z. B. heute ein ganz zentraler Bezugspunkt für den sich intellektuell gerierenden Rechtspopulisten Thierry Baudet und dessen „Forum voor Democratie“ in den Niederlanden.

Doch reicht Spenglers Wirkung bis heute zugleich auch über den Kontext eines Rechtsradikalismus, Rechtskonservatismus und eine die so genannte „Konservative Revolution“ huldigende „Neue Rechte“ hinaus; ja Spenglers ideologische Reichweite bis in den etablierten Konservatismus sowie den respektablen intellektuellen Diskurs machen ihn als Ressource für gegenwärtige autoritär-nationalistische Projekte wohl besonders wertvoll.

Die überraschend nachhaltige intellektuelle Wirkungsmächtigkeit dieses hoch ideologisierten, im wahrsten Sinne des Wortes spekulativen Geschichtsphilosophen, dessen ideengeschichtlicher Beitrag sich wesentlich in düsteren, mehr oder minder interessanten Prophezeiungen erschöpft, welche in einer verschwurbelten Seelenmythologie und in anti-aufklärerischen Affekten fußen, zeigt sich nämlich bis heute auch in politisch und intellektuell unverdächtigen Eliten von Kultur und Wissenschaft (und dies keineswegs ausschließlich in Deutschland). Kein Geringerer als der einflussreiche deutsche Soziologe und Politikwissenschaftler Wolf Lepenies verfasste 2002 in der „Süddeutschen Zeitung“ eine Apologie Spenglers. Bezeichnenderweise bringt Lepenies dabei den antidemokratischen konservativ-revolutionären Demagogen Spengler ausgerechnet gegen Adorno in Anschlag.

Spengler, welcher mit seinem Hass auf die Demokratie und seinem Ekel vor dem Abstrakten wie der ,Allmacht des Geldes‘ laut Adorno bei aller bisweilen zur Schau gestellten sprachlichen Eloquenz und partiellen Verquastheit mithin im gleichen offen brutalen Tonfall spricht wie ein „Agitator“, der „gegen die Weltverschwörung der Börse loszieht“ (80), wird von Lepenies in schlechter Tradition zum prophetischen Diagnostiker erhoben. Er schreibt:

Angesichts des Menetekels aber, das heute Schriftzeichen wie Enron und Worldcom an die Wand malen, klingt Spenglers Satz prophetisch, dass die Demokratie sich durch das Geld selbst vernichtet, nachdem das Geld den Geist vernichtet hat.“ (81)

Selbst wenn man Spenglers prognostische Qualitäten anerkennen will, wird dies fragwürdig, wenn nicht zugleich problematisiert wird, dass der nationalistische „kleinbürgerliche Wahrsager“ Spengler, der an die „Schwäche des Ichs appelliert“ (82), der „große Dilettant“ (Kurt Sontheimer), selbst am totalitären Verhängnis strickte, welches er als „Untergang des Abendlandes“ apokalyptisch beschwor. (83)

Der mittlerweile emeritierte Historiker Alexander Demandt, Ehrenpräsident der „Oswald Spengler Society for the Study of Humanity and World History“, würdigte den Antidemokraten schon vor 20 Jahren in der „Welt“ als „Meisterdenker der Konservativen Revolution“ (84). Gerade in den letzten zehn Jahren erleben wir in Deutschland und Europa mithin eine Spengler-Renaissance. Selbst in aktuellen Forschungen zu Spengler wird dieser mithin zum „Denker der Zeitenwende“ verklärt, dessen Denken „zum Nachdenken“ anrege. (85) Hermann Baer schrieb 2010 in der „Süddeutschen Zeitung“, Spenglers vor nunmehr fast 100 Jahren erschienenes Hauptwerk habe die „Qualität eines Dauerbrenners“. (86) Baer verharmlost Spenglers geschichtliche Prophezeiung als konservative „Absage an blinden Fortschrittsglauben“ und „Klassiker der modernen Kulturkritik“ (87).

Sehr zum Gefallen von Baer, der in kaum subtil affirmativer Wendung die Renaissance Spenglers beschreibt, betont auch der italienische Philosoph Stefano Zecchi seit Jahren die „Zeitaktualität“ Spenglers. Für Zecchi besteht diese vor allem in Spenglers Warnung vor den vermeintlichen Gefahren kultureller Mischung als Vehikel für zivilisatorischen Untergang: „Der Mailänder Professor, ein scharfer Beobachter, ist der Ansicht, man müsse sich auch einmal fragen, ob die heutige Tendenz zu einem Miteinander unterschiedlicher Kulturen im selben Land nicht eine Selbsttäuschung sei. Der Dialog zwischen den Kulturen leiste der Auflösung der Nationen in eine formlose kosmopolitische Massengesellschaft Vorschub. In der unaufhaltsamen Globalisierung sieht Zecchi den Niedergang unserer Zivilisation. In Spenglers Worten: ‚Der Weg senkt sich.’“ (88)

Die kulturelle Mythologie und das prophetische Raunen Spenglers, dessen Popularität in der Weimarer Republik seinen unbestrittenen Höhepunkt erfahren hatte und an deren Niedergang er ideologisch mitwirkte, wird insofern voraussichtlich bei den Gegnern einer freien, aufgeklärten und demokratischen Gesellschaft auch künftig kaum an Attraktivität und Aktualität verlieren. Dass Menschen bei Spengler nur als unausweichliche Objekte eines zur Natur verklärten überzeitlichen Geschichtsrhythmus im Übergang zu einem Fellachentum erscheinen, aus dem allenfalls ein neuer Cäsar hervorsticht, passt ins gegenwärtige Bild autoritärer Bewegungen – ebenso wie Spenglers innigste Feindschaft gegen die liberale, pluralistische Demokratie und das Modell der Versöhnung von Vernunft, Demokratie und universalistischen Freiheitsrechten.

Die Apologie des Irrationalismus und der „Politik der Unvernunft“ (89), die den Autoritarismus vergötzt und in diesen führt, erlebt heute eine neue Blüte, in die Spenglers Werk passt. Das Unverstandene Spenglers, der sich als großer Prophet wähnte, während er sich ausufernd in die Affirmation einer dumpfen Seelenmythenlehre und magischer Vorstellungen flüchtete, west fort als Teil einer konservativ-revolutionären Geistestradition, welche die innige Nähe von anti-aufklärerischem, apokalyptischem, mythischem, nationalistischem sowie kulturrelativistischem Denken stets aufs Neue bestätigt.

Über den Autor: Prof. Dr. Lars Rensmann ist Professor für Europäische Politik und Gesellschaft, Direktor des Centre for the Study of Democratic Cultures and Politics und Geschäftsführender Direktor des Fachbereichs Europäische Sprachen und Kulturen an der Rijksuniversiteit Groningen (Niederlande). Bis 2015 leitete er den Fachbereich Politikwissenschaft und Internationale Beziehungen an der John Cabot University in Rom (Italien). Rensmann lehrte und forschte zudem u.a. an der University of Michigan, der Yale University un der University of California at Berkeley. Er berät das Joint Research Centre of the European Commission und ist derzeit Forscher im H2020 Research Consortium „EU IDEA“. Forschungsschwerpunkte u.a.: globale und europäische politische Theorie, Philosophie und Ideengeschichte; europäische und globale Politik; europäische Parteien, Parteiensysteme und Demokratiekrisen im Vergleich; Kritische Theorie; Rechtspopulismus, Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus in Europa; europäische und deutsche Geschichtspolitik; internationale Politik und Sport. Veröffentlichungen u.a. The Politics of Unreason: The Frankfurt School and the Origins of Modern Antisemitism (State University of New York Press, 2017), Arendt and Adorno: Political and Philosophical Investigations (Stanford University Press, hrsg. mit Samir Gandesha, 2012), Gaming the World: How Sports are Reshaping Global Politics and Culture (Princeton University Press, mit Andrei S. Markovits, 2010).

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Fußnoten

  1. Vgl. Domenico Conte: „Oswald Spengler – Eine Einführung“, Leipzig 2004, S.16; Ulrich Wyrwa: Spengler, Oswald In: Wolfgang Benz (Hg.): „Handbuch des Antisemitismus“, Bd. 2: Personen. Berlin 2009, S. 784–786, hier S. 784.
  2. Ulrich Wyrwa: Spengler, Oswald. In: Wolfgang Benz (Hg.): „Handbuch des Antisemitismus“, Bd. 2: Personen. Berlin 2009, S. 784–786, hier S. 784.
  3. Vgl. Paul Hoser: „Ein Philsoph im Irrgarten der Politik – Oswald Spenglers Pläne für eine geheime Lenkung der Presse“, Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte 38, 3 (1990), S. 435–458, hier S. 438, https://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/1990_3_4_hoser.pdf#page=20.
  4. Ebd., S. 458.
  5. Vgl. Domenico Conte: „Oswald Spengler – Eine Einführung“, Leipzig 2004, S. 103.
  6. Herbert Schnädelbach: „Philosophie in Deutschland 1831-1933“, Frankfurt a. M. 1988, S. 174.
  7. Ulrich Wyrwa: Spengler, Oswald. In: Wolfgang Benz (Hg.): „Handbuch des Antisemitismus“, Bd. 2: Personen. Berlin 2009, S. 784–786, hier S. 784.
  8. Oswald Spengler: „Der Untergang des Abendlandes – Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte“, München 1922/23, S. 6ff.
  9. Ebd., S. 144.
  10. Ebd., S. 125-152, besonders S. 135 ff.
  11. Alexander Bein: „Der jüdische Parasit – Bemerkungen zur Semantik der Judenfrage“, in: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte 13, 2 (1965), S.121–149, hier S. 150, https://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/1965_2_1_bein.pdf.
  12. Oswald Spengler: „Der Untergang des Abendlandes – Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte“, München 1922/23, S. 135.
  13. Ebd., S. 1109.
  14. Ebd., S. 977.
  15. Ebd., S. 1109.
  16. Ebd., S. 143.
  17. Ebd., S. 143.
  18. Ebd., S. 145.
  19. Ebd., S. 939: „Jede große Kultur beginnt mit einem gewaltigen Thema, das sich aus dem stadtlosen Lande erhebt, in den Städten mit ihren Künsten und Denkweisen vielstimmig durchgeführt wird und in den Weltstädten im Finale des Materialismus ausklingt. Aber selbst die letzten Akkorde halten streng die Tonart des Ganzen fest. Es gibt einen chinesischen, indischen, antiken, arabischen, abendländischen Materialismus, der in jedem einzelnen Falle nichts ist als die ursprüngliche mythische Gestaltenfülle, unter Abziehung alles Erlebten und Erschauten mechanistisch gefaßt.“
  20. Ebd., S. 676.
  21. Ebd., S.  1089.
  22. Ebd., S. 681.
  23. Zitiert nach Theodor W. Adorno: „Spengler nach dem Untergang“, in: Prismen: Kulturkritik und Gesellschaft. Frankfurt a.M. 1969, S. 56.
  24. Zitiert nach Florian Goldberg: „100 Jahre ,Untergang des Abendlandes‘ – Vorbild für Populisten?“, in: Deutschlandfunk, 2. Juli 2018, https://www.deutschlandfunkkultur.de/100-jahre-untergang-des-abendlandes-vorbild-fuer-populisten.1005.de.html?dram:article_id=421769.
  25. Vgl. Volker Weiß: „Die autoritäre Revolte“, Stuttgart 2017. Hagen Schulze weist darauf hin, dass Spengler der Westen, der Liberalismus und die Demokratie als Plutokratie so verachtet waren, dass er am Ende sogar mit einem Bündnis mit Russland liebäugelte. Vgl. Hagen Schulze: „Weimar: Deutschland 1917—1933“, Berlin 1994, S. 137.
  26. Volker Weiß: „Die autoritäre Revolte“, Stuttgart 2017, S. 182.
  27. Ulrich Wyrwa: Spengler, Oswald. In: Wolfgang Benz (Hg.): „Handbuch des Antisemitismus“, Bd. 2: Personen. Berlin 2009, S. 784–786, hier S. 784.
  28. Volker Weiß: „Die autoritäre Revolte“, Stuttgart 2017, S. 165.
  29. Vgl. Volker Weiß: „Moderne Antimoderne – Arthur Moeller van den Bruck und der Wandel des Konservatismus“, Paderborn 2012, S. 175.
  30. Theodor W. Adorno: „Wird Spengler rechtbehalten?“, in: „Kritik – Kleine Schriften zur Gesellschaft“, Frankfurt a.M. 1971, S. 94.
  31. Ebd., S. 99.
  32. Theodor W. Adorno: „Spengler nach dem Untergang“, in: „Prismen – Kulturkritik und Gesellschaft“, Frankfurt a.M. 1969, S.51 und 53.
  33. Theodor W. Adorno: „Wird Spengler rechtbehalten?“, in: „Kritik – Kleine Schriften zur Gesellschaft“, Frankfurt a.M. 1971, S. 97.
  34. Theodor W. Adorno: „Spengler nach dem Untergang“, in: „Prismen – Kulturkritik und Gesellschaft“, Frankfurt a.M. 1969, S.54.
  35. Ebd.
  36. Ebd., S. 58.
  37. Ebd., S. 60.
  38. Ebd., S. 55.
  39. Theodor W. Adorno: „Wird Spengler rechtbehalten?“, in: „Kritik – Kleine Schriften zur Gesellschaft“, Frankfurt a.M. 1971, S. 96.
  40. Ebd., S. 98f.
  41. Ebd., S. 100.
  42. Ebd.
  43. Ebd., S. 103.
  44. Vgl. Ebd., S. 101.
  45. Ebd., S. 103-104.
  46. Vgl. Lars Rensmann: „Demokratie und Judenbild“, Wiesbaden 2004, S. 161.
  47. Alexander Bein, „Der jüdische Parasit – Bemerkungen zur Semantik der Judenfrage“, in: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte 13, 2 (1965), S.121–149, hier S. 150, https://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/1965_2_1_bein.pdf.
  48. Vgl. Ebd.
  49. Oswald Spengler: „Der Untergang des Abendlandes – Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte“, München 1922/23, S.955.
  50. Zitiert nach Alexander Bein, „Der jüdische Parasit – Bemerkungen zur Semantik der Judenfrage“, in: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte 13, 2 (1965), S.121–149, hier S. 151, https://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/1965_2_1_bein.pdf.
    Die These von der „Zersetzung“ ist bei Spengler durchaus schillernd. Das Judentum wird stets mit Zersetzung und Zerstörung und einer verneinenden, „innerlich fremden“ Kraft in Verbindung gebracht, aber zumeist auch mit seiner eigenen Zerstörung.
  51. Zitiert nach Ulrich Wyrwa: Spengler, Oswald. In: Wolfgang Benz (Hg.): „Handbuch des Antisemitismus“, Bd. 2: Personen. Berlin 2009, S. 784–786, hier S. 785.
  52. Oswald Spengler: „Der Untergang des Abendlandes – Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte“, München 1922/23, S.955, Hervorhebung L.R.
  53. Ulrich Wyrwa: Spengler, Oswald. In: Wolfgang Benz (Hg.): „Handbuch des Antisemitismus“, Bd. 2: Personen. Berlin 2009, S. 784–786, hier S. 785.
  54. Ebd.
  55. Vgl. Ebd.
  56. Oswald Spengler: „Der Untergang des Abendlandes – Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte“, München 1922/23, S.711.
  57. Ebd., S. 710.
  58. Ebd., S. 958.
  59. Ebd., S. 880.
  60. Ebd., S. 711.
  61. Vgl. Oswald Spengler: „Jahre der Entscheidung“, München 1933; vgl. auch Ulrich Wyrwa: Spengler, Oswald. In: Wolfgang Benz (Hg.): „Handbuch des Antisemitismus“, Bd. 2: Personen. Berlin 2009, S. 784–786, hier S. 785.
  62. Ulrich Wyrwa: Spengler, Oswald. In: Wolfgang Benz (Hg.): „Handbuch des Antisemitismus“, Bd. 2: Personen. Berlin 2009, S. 784–786, hier S. 785.
  63. Vgl. Thomas Mann: „Über die Lehre Spenglers“, in: „Gesammelte Werke in dreizehn Bänden – Band 10: Reden und Aufsätze“, Teil 2. Frankfurt a.M. 1974.
  64. Adorno behauptet gar, aus meiner Sicht überzogen, die öffentliche Meinung in Deutschland habe sich „sehr rasch“ gegen den „Untergang des Abendlandes“ gekehrt, und er redet 1950 vom „vergessene[n] Spengler“: „Kaum dass man noch von seinen Beziehungen zu den Nationalsozialisten, seinem Streit mit Hitler und endlich seinem Tod Notiz nahm. In Deutschland war er, als Schwarzseher und Reaktionär, so wie eben die zeitgenössischen Herren solche Worte brauchten, verfemt, im Ausland galt er als einer der ideologischen Mitschuldigen am Rückfall in die Barbarei.“ Vgl. Theodor W. Adorno: „Spengler nach dem Untergang“, in: „Prismen – Kulturkritik und Gesellschaft“, Frankfurt a. M. 1969, S. 51–52.
  65. Vgl. Volker Weiß: „Die autoritäre Revolte“, Stuttgart 2017, S. 165
  66. Vgl. Theodor W. Adorno: „Spengler nach dem Untergang“, in: „Prismen – Kulturkritik und Gesellschaft“, Frankfurt a.M. 1969, S. 51.
  67. Vgl. Richard Wolin: „Heideggers ,Schwarze Hefte‘ – Nationalsozialismus, Weltjudentum und Seinsgeschichte“, in: „Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 63“, 3 (2015), S. 379–410.
  68. Vgl. Richard Faber: „Abendland: Ein ,politischer Kampfbegriff‘“, Hildesheim 1979. Vgl. auch Volker Weiß: „Die autoritäre Revolte“, Stuttgart 2017, S. 177.
  69. Vgl. Armin Baltzer: „Untergang oder Vollendung – Spenglers bleibende Bedeutung für die Gegenwart“, Göttingen 1956.
  70. Vgl. Goldberg: „100 Jahre ,Untergang des Abendlandes‘– Vorbild für Populisten?“, in: Deutschlandfunk, 2. Juli 2018, https://www.deutschlandfunkkultur.de/100-jahre-untergang-des-abendlandes-vorbild-fuer-populisten.1005.de.html?dram:article_id=421769.
  71. Ebd.
  72. Zitiert nach ebd.
  73. Volker Weiß: „Die autoritäre Revolte“, Stuttgart 2017, S. 149-150.
  74. Ebd., S. 150.
  75. Ebd., S. 12f.
  76. Vgl. Micha Brumlik: „Das alte Denken der Neuen Rechten – Mit Heidegger und Evola gegen die offene Gesellschaft“, in: „Blätter für deutsche und internationale Politik 3“ (2016), S.81–92.
  77. Vgl. Lars Rensmann und Samir Gandesha: „Understanding Political Modernity – Rereading Arendt and Adorno in Comparative Perspective“, in: Lars Rensmann und Samir Gandesha, (Hg.): „Arendt and Adorno – Political and Philosophical Investigations“, Stanford 2012, S. 1-27.
  78. Der spezifische, von Spengler gepflegte Mythos „Abendland“ hat dabei zunehmend wieder einen zentralen Stellenwert im politischen Vokabular einer autoritär-nationalistischen Rechten in Deutschland. Ein Beispiel ist Björn Höcke, der diesen Mythos auch auf „antike und germanische Wurzeln“ bezogen wissen will. Zitiert nach Volker Weiß: „Die autoritäre Revolte“, Stuttgart 2017, S. 157, auch S. 155–186.
  79. Vgl. Daan Jongejan: „Intellectuelen en Verval – Spenglers ondergangsvertoog, naoorlogse rechtse bewegingen en Thierry Baudet“, Bachelorscriptie Raboud Universiteit 2018, https://theses.ubn.ru.nl/bitstream/handle/123456789/7369/Jongejan%2C_Daan_D._1.pdf?sequence=1.
  80. Theodor W. Adorno: „Spengler nach dem Untergang“, in: „Prismen – Kulturkritik und Gesellschaft“, Frankfurt a.M. 1969, S. 74
  81. Wolf Lepenies: „Endzeitgemäße Betrachtungen – Amerikanische Entrückungen und der Untergang des Abendlandes“, in: Süddeutsche Zeitung, 8. August 2002, S. 11.
  82. Theodor W. Adorno: „Wird Spengler rechtbehalten?“, in: „Kritik – Kleine Schriften zur Gesellschaft“, Frankfurt a.M. 1971, S.103.
  83. Siehe Lars Rensmann: „Demokratie und Judenbild“, Wiesbaden 2004, S. 487. Spengler mobilisiert dabei den verdinglichten Affekt gegen das Geld statt die Kritik der politischen Ökonomie und der demokratiegefährdenden sozialen Ungleichheiten in einem auch heute der (mittlerweile weitgehend unregulierte, neo-liberale) Kapitalismus zur Herrschaft der Monopole drängt.
  84. So Alexander Demandt: „Spenglers Untergang“, in: Literarische Welt / Die Welt, 27. März 1999.
  85. Vgl. Manfred Gangl, Gilbert Merlio, Markus Ophälders (Hg.): „Spengler  Ein Denker der Zeitenwende“, Frankfurt a. M. 2009.
  86. Hermann Baer: „Der Untergang“, in: Süddeutsche Zeitung, 17. Mai 2010., https://www.sueddeutsche.de/kultur/oswald-spengler-der-untergang-1.540100.
  87. Ebd.
  88. Ebd.
  89. Lars Rensmann: „The Politics of Unreason“, Albany, NY 2017.